UEFA Nations League – Fluch für die Großen, Segen für die Kleinen?

Veröffentlicht von eugeniomarino am

Nachdem aufgrund der Corona-Pandemie die Europameisterschaft in diesem Jahr abgesagt und auf 2021 verschoben wurde, steht in den nächsten Tagen ein anderes Nationalteam-Event auf dem Plan, nämlich die UEFA Nations League. Es handelt sich um einen recht jungen Wettbewerb, der gerade vor seiner zweiten Auflage steht. Auch die deutsche Nationalmannschaft steht vor einem echten Kracher.

Gerade die Pandemie aufgrund der Krise um Corona hat die Welt des Sports regelrecht zum Stillstand gebracht. Nicht umsonst fielen in diesem Jahr sowohl die Europameisterschaft als auch die Olympischen Spiele in Tokio aus. Anders als diese Sportevents, wurde die UEFA Nations League nicht auf das Jahr 2021 verschoben, sondern geht in den nächsten Tagen in ihre zweite Auflage. Die Meinungen darüber sind sehr verschieden. Eine Umfrage hat gezeigt, dass 51% der Follower von Buli_KMPKT als sinnvolle Alternative sehen. Auf der anderen Seite ist man indes weniger begeistert, selbst Liverpools Trainer Jürgen Klopp bezeichnete die Nations League in der Vergangenheit als ,,sinnlos‘‘, doch, stimmt das?

Klar ist, die UEFA Nations League ist ein zusätzliches Sportevent auf internationaler Ebene, bei dem die Nationalteams Europas aufeinandertreffen. Alle 55 UEFA-Mitgliedsverbände nehmen an diesem Turnier teil. Der zum Teil schlechte Ruf der Nations League wird gerade an dieser Stelle sichtbar, wenn man bedenkt, dass zusätzliche Spiele für mehr Fußballspannung für die Fans und interessante Paarungen, vor allem zwischen Topteams wie Belgien, Weltmeister Frankreich oder dem amtierenden NL-Champion Portugal, sorgen würde. Aber nicht nur die Fans profitieren davon, denn mehr Spiele würden auch mehr Gesprächsstoff für die Presse und mehr Geldeinnahmen für Investoren und Vorstände bedeuten.  

An Begeisterung für dieses Turnier mangelte es in der Vergangenheit tatsächlich nicht. Es strömten dennoch Tausende Fans in die Stadien, um Ihre Heimatländer zu unterstützen. Kein Wunder also, dass die Allianz Arena beim Spiel zwischen Deutschland und Frankreich (06.09.2018) bis auf den letzten Platz ausverkauft war – ohne, dass der FC Bayern München auf dem Platz stand. Doch auch vor dem Fernseher werden den Teams die Daumen gedrückt, wie das Rückspiel auf französischem Boden zeigt: Am 16.10.2018 wurde die Partie gegen Deutschland von knapp 12 Millionen Menschen in der ARD verfolgt. Natürlich ist dies nicht mit den Zahlen während der WM oder EM zu vergleichen (in beiden Fällen mehr als 28 Millionen), aber es übersteigt in jedem Fall die Zahl der TV-Zuschauer pro Bundesligaspieltag aus der Saison 2018/19 (1,47 Mio. / Spieltag). Einer der Gründe für die steigende Attraktivität der Nations League, könnte das große Aufgebot an auffälligen Talenten sein. Im Vorjahr handelte es sich beispielsweise um Spieler wie Matthijs De Ligt, Frenkie De Jong, Kai Havertz oder Trent Alexander-Arnold. Die Spiele dieser jungen Leistungsträger möchte man sich als Fußballfan wohl nur ungern entgehen lassen.

Des Weiteren bietet die Nations League kleineren und weniger erfolgreichen Nationalteams die Möglichkeit, in der Gruppenphase nicht zwangsläufig auf ein ,,Schwergewicht‘‘ zu treffen, wie es beispielsweise in den Qualifikationsgruppen für die WM und EM ist. Es handelt sich nämlich um ein besonderes Ligasystem (aufgeteilt in A, B, C und D), in dem die Teams nur mit etwa gleichstarken Gegnern zusammengeführt werden. Die Gruppe D2 setzt sich beispielsweise aus Gibraltar, Liechtenstein und San Marino zusammen – und jeder hat eine Chance auf das Weiterkommen. In einer Qualifikationsgruppe mit 7-9 Gegnern, wäre das wohl kaum vorstellbar. Kurz gesagt: Die Nations League verspricht den erfolgslosen Teams größere Chancen auf erste Erfolge. Und vor allem bietet sich dadurch die Möglichkeit, sich für die EM zu qualifizieren.

Wie bereits erwähnt stößt die Nations League allerdings auch auf Ablehnung, insbesondere deshalb, da sie oft als eine zusätzliche Belastung für die Spieler gesehen wird, die man eigentlich vermeiden könnte. In Wahrheit wird die Nations League die klassischen Testspiele ersetzen, die zu ähnlichen Zeitpunkten stattgefunden hätten (März, Juni, September bis November). Es handelt sich also nicht um einen Zusatz, sondern einen Ersatz, denn irgendwann müssen die Nationalteams zum Zug kommen. Und das könnte in Form von Pflichtspielen (Nations League) deutlich attraktiver sein als die Testspiele im klassischen Sinne.

Es würde sich auch deshalb nicht unbedingt um eine Belastung handeln, da i.d.R. die Kader massiv überarbeitet werden, sodass Spieler der Topklubs (evtl. mit Dreifachbelastung) entlastet, und stattdessen Neulinge nominiert werden (Beispiel Deutschland: neu dabei sind Gosens, Neuhaus und Baumann). Gerade für sie stellt dieses Turnier eine große Chance dar, sich zu beweisen.

Ein weiteres Vorurteil ist die Annahme, die Nations League sei nur für ,,kleinere Teams‘‘ von Bedeutung. Das stimmt nicht ganz, denn wie bereits erwähnt, treffen zu Beginn etwa gleichstarke Gegner in den Gruppen aufeinander, um die Favoritenrolle nicht explizit vergeben zu können, und kleinere Teams nur auf Gegner des eigenen Kalibers treffen. Doch am Beispiel von Deutschland könnte man feststellen, dass es deutlich besser sein wird, wenn man sofort auf einen Gegner wie Spanien oder im Anschluss die Schweiz trifft. Andernfalls könnten wie gewohnt die klassischen Testspiele, manchmal gegen San Marino, Slowakei, Ungarn oder Finnland stattfinden. Keine besonders hochkarätigen Gegner.

Es ist also deutlich zu erkennen, dass die Nations League alles andere als ,,sinnlos‘‘ ist, wie Klopp einst behauptete. Denn in Wahrheit profitieren alle Beteiligten davon. Das fängt zunächst bei den Außenstehenden, sprich Fans, Presse und Verbände an und überträgt sich dann auf jedes einzelne teilnehmende Team. Für die großen und für die kleinen Teams sind Gegner desselben Niveaus zu Beginn garantiert – und jeder hat eine größere Chance auf das Weiterkommen, dank der kompakteren Gruppen. Und wenn man statt der gesamten Teams nur die einzelnen Spieler betrachtet, stellt man fest, dass gerade so ein Turnier jungen und talentierten Spielern die Möglichkeit gibt, sich selbst unter Beweis zu stellen.




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